2. Lektion – „Drama, Baby, Drama“

„Vor ein paar Wochen war ich als Speaker auf einem Kongress in Stuttgart eingeladen. Ich sollte über das Thema „Online-Marketing im Gesundheitswesen“ referieren. Was ich aber viel mehr wollte: Begeistern! 

Ich baute meinen Vortrag darauf auf, dass die meisten Menschen einen Account bei Facebook besitzen und es von dort nur ein kleiner Schritt zu einer Fan-Page für die eigene Praxis ist. Ich reiste extra einen Tag früher an, damit ich ausreichend Zeit zur Vorbereitung hatte und am Abend vorher noch den Feinschliff machen konnte.

Der Tag des Vortrags war gekommen.

Ich sah, dass diese Bühne richtig groß war. Beeindruckend groß. „Klasse.“, dachte ich mir, „Das wird gut.“

Ein paar Minuten vor meiner Redezeit wurde ich vom zuständigen Stagemanager (!!!) Thomas verkabelt und eingewiesen. Er lud meine Folien auf den Rechner und auf dem riesigen Schirm hinter mir baute sich meine Präsentation auf. Thomas, sah auf das Startbild und sagte: „Cool, das ist mal ein spannendes Thema.“

Ich nickte ihn lächelnd an und betrat die Bühne. Knapp 50 Augenpaare schauten zu mir hinauf und in diesem Moment wurde mir schon ein wenig mulmig – immerhin war es mein erster Gig als Speaker.

Aber ich dachte mir: „Ganz ruhig. Immerhin bist du vorbereitet.“

Also sprach ich die einleitenden Worte: „Marketing mit Facebook und Co. ist weniger schwierig, als sie denken. Und ich zeige ihnen heute ein paar einfache Tricks. Und da ja fast jeder von uns be Facebook ist, sind die ersten Schritte sehr einfach und schnell erklärt.“

So weit, so gut. 

„Mit den Händen nach oben – wer von Ihnen hat KEINEN eigenen Facebook-Account?“

Siegessicher lächelte ich in die Runde…aber nicht lange.

Bei der ersten Hand habe ich mir noch nichts gedacht. Bei der zweiten auch nicht. Aber als dann mindestens 20 Hände oben waren, traten mir die Schweißperlen auf die Stirn.

Da stand ich nun. 

Den Mund geöffnet vor lauter Fragezeichen und die Hände starr vor Überraschung. Ich schaute in die Runde und wusste, dass die nächsten 30 Minuten verdammt lang werden würden.“

Menschen lieben Konflikte

Diese Geschichte habe ich mir nicht ausgedacht – sie ist wahr. Fragst du dich jetzt vielleicht, wie der Rest des Vortrags war?

Wenn ja, dann habe ich sie a) ausreichend gut geschrieben und b) du stehst wie die meisten anderen Menschen auf Dramatik und Konflikte. Den Rest der Geschichte verrate ich dir im Laufe der nächsten Lektionen auch noch – versprochen.

Schlechte Nachrichten, Dramen und Konflikte haben einen großen Stellenwert bei uns und das liegt schon in unseren Genen. Das war vermutlich nicht immer so, aber es bescherte uns in grauer Vorzeit einen entscheidenden Überlebensvorteil.

Was glaubst du, war für die ersten Menschen eine wichtigere Information?!

  1. Im Tal links von uns wachsen jetzt mehr wilde Farne, als im Vorjahr.
  2. Im Tal rechts von uns haben wir Säbelzahntiger gesehen.

Ganz klar. Die zweite Information war wichtiger – überlebenswichtig.

Jetzt sind wir ein paar tausend Jahre weiter, aber unser Gehirn ist recht unverändert und sucht das Gefährliche, das Interessante, das Aufregende. Und was das Gehirn finden will, das findet es auch.

Die heutige Form des „Thrills“ ist nicht mehr der Säbelzahntiger, sondern der Spaß an spannenden Filmen, guten Erzählungen und dramatischem Geschwätz aus der Nachbarschaft. Letzteres wollen wir hier nicht bedienen, aber ich möchte dir zeigen, wie du mit einem guten Konflikt eine Story in deinem Blog oder in deinem Podcast bereicherst.

Was ist überhaupt ein Konflikt?

Ein Kind fühlt sich in der Küche unbeobachtet und interessiert sich für den brodelnden Topf auf dem Herd. Es mag das Geräusch vom blubbernden Wasser und den lustigen Schau, der aus dem Topf hochsteigt. Er sieht ein wenig so aus, wie in der Badewanne. Die Badewanne ist schön, also ist hier auch keine Gefahr zu erkennen.

Doch es kommt, wie es kommen muss: Das Kind fasst an den Topf. Verbrennt sich am Herd. Das Geschrei ist groß.

Es wird aber zukünftig nicht mehr so ohne Weiteres an einen Herd packen, weil es eine schmerzhafte Erfahrung gemacht hat. Es wird vorsichtig sein – das ist eine „Problemlösestrategie“.

Wir machen in unserem Leben hunderte, ach, wenn nicht sogar tausende von Erfahrungen und lernen immer neue Wege, ein Problem zu lösen. Allerdings gibt es auch Momente, die für uns neu sind und für die wir keine Strategie zur Lösung haben. In solchen Momenten wissen wir nicht, was wir tun sollen.

Genau an diesem Punkt erleben Menschen einen Konflikt. Mit bisherigen Wissen und individuellen Möglichkeiten können wir das Problem nicht lösen.

Unsere eigenen Konflikte finden wir natürlich doof, die der anderen aber spannend..

Ein guter Konflikt ist die treibende Kraft einer guten Story

Nimm dir einen x-beliebigen Film aus deiner Filmsammlung daheim und prüfe, ob er einen Konflikt besitzt. Ich bin davon überzeugt, dass das bei jeden der Fall ist. Bei mir daheim ist es so – ausnahmslos. Ein Film oder eine Serie ohne einen dramatischen Konflikt empfinden wir als „langweilig“ oder „uninspiriert“.

Du willst ein paar Beispiele, um meinen Gedankengang besser nachvollziehen zu können?

Nichts lieber, als das.

  • Star Wars: Luke Skywalker muss sich entscheiden, ob er als Yedi Ritter auf der hellen Seite der Macht kämpft oder ob er seinem Vater auf die dunkle Seite der Macht folgt. Er ist zerrissen zwischen Glauben und leiblicher Familie.
  • Der Herr der Ringe: Frodo muss aus seiner gewohnten Umgebung in eine fremde und bedrohliche Welt hinaus gehen, um Mittelerde zu retten.
  • Gladiator: Der römische General Maximus wird zum Tode verurteilt, überlebt und will den Tod seiner Familie als Gladiator rächen.
  • E-Mail für dich: Meg Ryan verliebt sich in die E-Mails von Tom Hanks. Sie weiß aber nicht, das er hinter dem Bücherimperium steckt, das ihren kleinen Bücherladen in den Ruin treibt.
  • Pretty Woman: Julia Roberts spielt eine Prostituierte, die sich in einen Geschäftmann verliebt – der Konflikt spielt in den verschiedenen gesellschaftlichen Stufen der beiden.
  • Casablanca – Rick, Laslo und Ilsa in einer Dreiecksbeziehung inmitten des zweiten Weltkriegs und ein Klassiker der Filmgeschichte.

Du siehst, ein guter Film braucht einen guten Konflikt. In Blog und Podcast muss es natürlich nichts dramatisches sein – ich habe noch keine Verfilmung eines Podcasts gesehen. Aber die Grundzutaten sollten wir einpacken und mitnehmen.

Der Gefährte der Story

An dieser Stelle möchte ich eine Sache klären, bevor es Missverständnisse gibt.

Storytelling im Business ist niemals Selbstzweck, sondern nur eine Form der Vermittlung. Storytelling wir unterhalten und mit einem guten Aufbau spannend sein, aber auf der anderen Seite der Waage gehört eine Message mit Mehrwert. Eine Message, die so viel Eigengewicht hat, dass sie die Waage auch halten kann und am Ende auch das Problem löst.

Falls dir eine starke Message nicht so wichtig ist und du lieber in blumigen Worte eine gute, spannende, lustige, traurige oder sonst was für eine Geschichte schreiben willst, dann solltest du lieber einen Roman schreiben. Oder ein Drehbuch für einen Film.

Das meine ich weder sarkastisch, noch herabwürdigend.

Ich sehe eine Menge guter Geschichten in den Sozialen Medien. Gut geschrieben, aber informationslos.

Am Ende einer Geschichte im Storytelling soll der Leser aufstehen und hoch motiviert Nuancen seines Lebens verändern. Bestenfalls zum Positiven.

Du brauchst für gelungenes Storytelling also beides: Eine Geschichte mit einem spannenden Konflikt und eine Message, die du transportieren willst – also die Lösung des Problems!

Was ist deine Aufgabe für diese Woche?!
  • Schau in deinen Blogs oder Podcasts nach, ob du nicht vielleicht intuitiv schon mit „Konflikten“ gearbeitet hast. Meistens nutzen wir sie von alleine, wenn wir etwas „Leben in die Bude“ bringen wollten.
  • Beobachte in Serien, Filmen oder Hörspielen, wie der Hauptdarsteller in problematische Situationen (KONFLIKT) gerät und wie er wieder herauskommt (LÖSUNG)
  • Ab der nächsten Woche gehe es an die stilistischen Mittel und an den „Helden“ der Geschichte. Überlege dir aber jetzt bereits, ob du nicht erzählenswerte Stories mit Konflikten kennst, die a) deiner Zielgruppe sehr bekannt vorkommen und b) eine Lösung bieten. Wenn dem so ist – erzähl sie im Blog!

Poste deine Erfahrungen, Fragen und Anregungen bitte in der Facebook-Gruppe, damit wir Austausch haben. 😉

Jetzt will ich dir noch einen kleinen, schmackhaften Ausblick auf das geben, was in der nächsten Lektion auf dich wartet. Vielleicht hast du dann schon ein wenig Vorfreude! 😉

Es wird um den Menschen gehen, der in deiner Story durch den Konflikt hindurch zu einer Lösung kommt und auf dem Weg dorthin mit allerlei Problemen zu kämpfen hat. Dieser Protagonist bringt das Leben in deine Geschichte.

Ach ja…das, was ich jetzt genutzt habe, ist ein so genannter „Cliffhanger“ zum neugierig machen.

Bis dahin,

dein Gordon Schönwälder

HIER KANNST DU DEN BLOG DURCHSUCHEN

MACH ES WIE ÜBER 2000 ANDERE VOR DIR.

Lerne, wie du in kürzester Zeit deinen eigenen Podcast an den Start bringen kannst und trage dich ein. Abseits dessen bekommst du noch Zugang zur Community-internen Show PODCAST-HELDEN- FLURFUNK!                                        

Hol dir hier die passende Musik für deine Show

RECHTLICHES

* Amazon-Partner-Links

© 2017 by Framework. Powered by Chimpify.